Die Angst, ein ständiger Begleiter.

Die Angst, ein ständiger Begleiter.

Anschlussbeitrag zu: Aneurysma im Kopf, die tickende Zeitbombe.

Ein Jahr ist nun vergangen und es ist vieles passiert. Viel sehr gutes, aber auch nicht so gutes.

Eines ist sicher:“ Man nimmt das Leben ernster und lebt deutlich bewusster“ ! Viele Dinge, die eigentlich banal sind wurden vorher als mega wichtig angesehen. Nein, das ist vorbei. Denn man lebt wirklich so, als sei es der letzte Tag. Ich kann sagen, das die Lebensqualität dadurch sehr zugenommen hat. Auch glaube ich, das man selbst mehr auf sich und seine Lieben, als auf Geld, Sicherheit und Luxus achtet. Man hat begriffen, das die Gesundheit ganz „allein“ das höchste Gut des Menschen ist und kein Geld der Welt diese zu bezahlen im Stande ist. Das es Dinge gibt, die man einfach niemals wird beeinflussen können! Egal, wie viel Geld, Sicherheit und Luxus man auch immer hat.

Man fängt an, sich wieder über die kleinen Dinge im Leben zu freuen und nimmt jede Situation mit.

Erst nach einer ganzen Weile hat man begriffen, welch ein verdammtes Glück man doch hat und sieht dieses als “ zweites Leben “ …. Ja, wir feiern 2 Geburtstage! Das mag für den ein, oder anderen wohl albern klingen. Für uns ist es ein Geschenk.

Aber es bleibt auch (und das sei hier betont) diese ständige Angst.

Ja, sie begleitet uns ständig und überall. Jedes Zwicken, Zwacken, Pochen, Kribbeln im Kopf löst sie permanent aus.  ANGST !

Auf jedes noch so kleine Detail achtet man mittlerweile und versucht möglichst alles zu deuten. Nun rennt man nicht gleich wegen jedem „Zimperlein“ zum Arzt, aber … ja, man denkt darüber nach. Besonders schwer fallen körperliche Defizite ins Gewicht. Man beobachtet seinen Körper eingehend auf Veränderungen jedlicher Art. Und wenn man dann bemerkt, das es zu körperlichen Einschränkungen kommt, wird man beinahe panisch. Nichts ist mehr wirklich so, wie vorher mal war. Das zu erkennen und zu „begreifen“ dauert sehr sehr lang. Man will es sich einfach nicht eingestehen, muss aber erkennen, das es einfach nicht mehr so geht – „wie früher“ ! Da bekommt der Satz :“ Früher war alles besser“ … einen echt bitteren Beigeschmack.

Vieles hat sich verändert, besonders … die Leistungsfähigkeit !  Vorher konnte man:

  • stundenlang spazieren gehen,
  • mit dem Rad durch die Landschaften fahren,
  • ausgiebig mit den Kindern toben,
  • laut Musik hören,
  • Party machen,
  • war psychisch belastbar… etc.

Heute geht das nicht mehr!

Man läuft z.B. mit 42 Jahren an einem „Rollator“, weil man böse, ja wirklich böse Gleichgewichtsstörungen hat ! Und das ist nur „ein“ Beispiel….

Viel schlimmer ist die Angst, morgends nicht mehr aufzuwachen. Man geht mit dieser Angst ins Bett und steht mit dieser wieder auf! Das ist zermürbend und raubt einem beinahe die letzte Energie.

Energie, die man so schon kaum noch aufbringen kann!

(Obwohl man es doch so sehr möchte!)

 

Aneurysma im Kopf, die tickende Zeitbombe.

Aneurysma im Kopf, die tickende Zeitbombe.

Jeder kennt sie, jeder hat, oder hatte sie mit Sicherheit schon mehrfach. Einige eher selten, einige öfter, manche sogar sehr oft… Kopfschmerzen. Niemand, bis auf Migränepatienten, oder chronisch an Clusterkopfschmerz leidende Menschen, denken sich etwas dabei. Ne Aspirin, oder anderweitige Schmerztabletten rein und „gut“ ist, oder? Ist ja auch „alles“ nicht so schlimm, ein bissel Kopfschmerzen halt, nix weiter. Aber, es kann auch ganz anders kommen. Hier eine Geschichte, welche nur knapp an einer Katastrophe vorbeigegangen ist.

Ahnungslos, weil keine Anzeichen.

Wiedereinmal Kopfschmerzen, nix neues, beinahe schon gewohnt. Seit 2 Wochen, ziehend hinter dem linken Auge. Schmerzmittel helfen Anfangs noch recht gut, aber mit zunehmender Dauer, immer weniger. De Facto, mehr Schmerzmittel in immer höher werdender Dosierung. Kein Schwindel, keine Übelkeit, der Körper funktioniert. Nichts deutet in irgend einer Weise auf etwas aussergeöhnliches hin. Der Tag verläuft normal. Abends geht man eben noch runter, um eine zu rauchen. Und plötzlich ….. Schwindel. Die Beine werden weich, man kippt um. Mit allergrösster Mühe gelingt es, sich aufzurappeln. Erst jetzt realisiert man einen Kopfschmerz, der in dieser Intensität noch nie da gewesen ist. Reissende, pochende, hämmernde, ja „vernichtende“ Kopfschmerzen. Wieder oben, greift man erneut zu Schmerzmitteln. Je stärker, je besser (glaubt man). Nichts hilft, absolut nicht lässt diese „irren“ Schmerzen verblassen. Ausgehend vom Nacken, hat man das Gefühl, als würde jemand den Kopf in richtung Stirn aufsägen. Man ist ja nicht wehleidig, aber diesen Schmerz hält man einfach nicht länger aus.

Der Besuch beim Hausarzt.

Am nächsten Morgen, man hat die Nacht irgendwie „überlebt“, geht man dann zum Hausarzt. Die Schmerzen werden immer schlimmer. Mit Schüttelfrost und beinahe wie in Trance, schleppt man sich dort hin. Es ist grell, das Licht, es ist kaum zu ertragen. Und dann erst diese Lautstärke, alles ist so wahnsinnig laut. An der Anmeldung stammelt man nurnoch, Kopfschmerzen, höllische Kopfschmerzen und begiebt sich ins angrenzende Wartezimmer. Scheisse ist das voll hier. Auf einen der Stühle in einer (möglichst dunklen Ecke) kauert man sich hin und wartet. Endlich der Aufruf. Man schildert dem Arzt die Beschwerden. Er macht ein paar Tests und kommt zum Ergebnis, kein Verdacht auf Hirnblutung, oder Schlaganfall, da Pupillen und Gesichtsreize in Ordnung sind. „PUH“ denn, man hatte ja schon so Phobien. Bedingt dadurch, das der Schmerz ja vom Nacken auszugehen scheint, diagnostiziert er eine Verspannung der Nackenmuskulatur in Folge des Sturzes und verabreicht eine Spritze mit insgesamt 18 Einstichen in Nacken und Kopf. Ach ja, der Blutdruck welcher vorher gemessen wurde lag ziemlich hoch. So „versorgt“ begibt man sich auf den Heimweg. Wieder zu Hause, ab auf´s Sofa, Decke über den Kopf und ausharren, das endlich diese verdammte Spritze zu wirken beginnt. Doch passieren tut nix.

21:00 Uhr, man hält es nicht mehr aus, ruft man den Bereitschaftsarzt. Frierend und äusserst Licht, so wie geräuschemfindlich, wartet man auf den Arzt. 23:00 Uhr ist dieser „endlich“ da. Er misst den Blutdruck 160/… ein leises „Oh, ziemlich hoch“, ist zu hören. Er verarbreicht ein blutdrucksenkendes Notfallmedikament und schmerzstillende Tropfen. Er betont noch:“ Es müsste besser werden, sobal der Blutdruck sinkt. Und wenn es nicht besser wird, solle man sich nicht scheuen, die Feuerwehr zu rufen.“ So verschwindet er wieder. Das Leiden geht (unvermindert) weiter. Auch diese Nacht wird man irgendwie überleben.

Der nächste Morgen, es geht absolut nix mehr.

Den dritten Tag mit diesen Schmerzen „will“ man nicht mehr durchstehen. So wird um 09:00 Uhr die Rettung verständigt, welche auch recht schnell eintrifft. RTW

Die Rettungssani´s sind eher erbost, weil man ja „nur“ Kopfschmerzen habe. Dennoch messen sie erst einmal den Blutdruck. Wieder 160/…. “ Naja, weil wir schon mal hier sind, können wir sie ja auch in die Klinik bringen. Dafür hätten Sie aber nicht die Rettung rufen müssen, sondern auch selber fahren können. “ Ja neee, iss klar. Wie dem auch sei, sitzt man plötzlich hinten im RTW (allein) und wird zu einer Klinik gebracht, welche auch eine neurologische Station hat. Es ist Sonntag. In der Klinik angekommen, musste man dann (auf eigenen Beinen) in die Notaufnahme, durfte sich allerdings sofort auf ein Bett legen. Es war auf umgehend ein Neurologe da und beschloss ein CT des Kopfes. Bei der Auswertung dieses CT´s ertönt ein Raunen. “ Ja, ich sehe etwas, kann es jedoch nicht genau bestimmen“, sagte der Neurologe noch und veranlasste „umgehend“ ein weiteres CT. Dieses mal jedoch mit Kontrastmittel.

Zwei mal CT und Lumbalpunktion

Die Auswertung des zweiten CT´s ergab eindeutig eine Gefässerweiterung und er erkannte eine „Blutung“. Wiederum konnte er nicht bestimmen, von wo diese kam, oder gekommen sein könnte. Auch nicht, ob es sich um eine „frische“, oder alte Blutung handelt. “ Ich mache eine Lumbalpunktion, um zu sehen, obe es frisch – oder alt ist“. So entnahm er Nervenwasser. Was dabei heraus kam …. ein Schock. Plötzlich wurde der Arzt hektisch. „Schauen Sie, alle 4 Gläser dunkelrosa“. Sie haben ein rupturiertes Aneurysma“. Ein was bitte ??? „HIRNBLUTUNG“ ….. akute Lebensgefahr ! Er fordert „umgehend“ einen Rettungswagen mit Notarztbegleitung an. Sofortige Verlegung in eine neurochirurgische Spezialklinik. Mit Blaulicht und Martinshorn geht es (auf der Vakuummatratze liegend) in die Spezialklinik. Dort angekommen, umgehend auf die Instensivstation zur Vollüberwachung. Es wird ein arterieller Zugang gelegt und vernäht. Zig Schläuche füren zum Monitor, welcher dauernd piept. Irgend ein Mittel wird verabreicht und endlich verschwinden diese wahnsinns Kopfschmerzen. Zur Nacht wird man „ausgenockt“ ….. am nächsten Morgen geht es in den OP.

6 Std. OP um das Aneurysma zu verschliessen.

Von 10:00 Uhr bis 16:00 Uhr wird man einer digitalen Substraktionsangiographie des Kopfes unterzogen.

 Hierbei wird über einen Katheder ein hauchdünner Platindraht, von der Leiste ausgehend, bis zum Aneurysma im Gehirn geführt. Unter stetiger Kontrastmitteleinspritzung wird dieses lokalisiert und dann mit einem Platindraht „gecoiled“. So wird das Aneurysma verschlossen und die (lebensbedrohliche) Blutung gestillt.

 

 

 

Überlebenschancen bei weniger als 50%

  • Mehr als die Hälfte aller Patienten, welche eine Aneurysmaruptur erleiden, überleben diese nicht, Sie versterben „unmittelbar“.
  • Von den verbleibenden erleiden etwa 2/3 einen schweren Schlaganfall.
  • Nur 2% aller Fälle kommen „unbeschadet“ davon.

Jeh nach Grösse des Aneurysma entscheidet sich das Überleben. Es ist unerheblich, wie schnell Rettung naht. Wenn es zu gross ist, hat man keine Chance. Es hat Fälle gegeben, die sind vom Duschen nicht zurückgekehrt.